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Eisenbahnmuseum

Wie kommt das Flugzeug in die Oberleitung?


Am 31.08.1957 war Gunter Petzoldt (03.07.1933 – 02.01.1983) auf der Rückreise aus dem Bodenseegebiet in Richtung Heimat, als der Zug auf der Strecke bei Egelsbach zwischen Darmstadt und Frankfurt am Main zunächst erst stoppte und dann langsam weiterfuhr. Als Betriebseisenbahner wusste Gunter Petzoldt sofort, dass vor ihm etwas besonderes geschehen sein musste und zückte geistesgegenwärtig seine Kamera. Was dann aber vor ihm auftauchte, hätte er sich in seinen wildesten Träumen nicht ausgemalt:

In der Oberleitung des Gegengleises hing ein Flugzeug!

Der Pilot hatte die Kanzel schon verlassen und die Feuerwehr war eifrig bemüht, den Havaristen zu bergen. Rechts und Links der Strecke hatte sich eine ziemliche Menschenmenge angesammelt, die das Spektakel mitverfolgte. Sein Zug passierte langsam die Unfallstelle und setzte seine Reise nach Norden fort.

Was genau geschehen war, klärte sich erst knapp 70 Jahre später auf. Im Zuge der Veröffentlichung des fotografischen Nachlasses von Gunter Petzoldt wurden auch die beiden Fotos des Havaristen in einem Fachforum vorgestellt. Im Laufe der Diskussion meldete sich der Forumsteilnehmer Peter Max Gnewikow, der als damals siebenjähriger Junge den Unfall miterlebt hat. Sein Vater, Karl Gnewikow, war leidenschaftlicher Segelflieger und hat damals seinerseits das Geschehen mit Kamera dokumentiert. Er schreibt auf seiner Homepage https://gnewikow.hpage.com/1957-1960/ka-3-schwer-auf-draht.html:

Es geschah am 31. August 1957 auf dem Flugplatz Egelsbach an der Bahnstrecke Frankfurt- Langen- Darmstadt. Zu dieser Zeit war dort Segelflug noch problemlos möglich. Keine Höhenbeschränkung oder gar Kontrollzone des Rhein- Main- Flughafens schränkte uns ein. Ich habe Thermikflüge von dort aus mit Höhen bis über 2000 Meter direkt über der Frankfurter Innenstadt durchgeführt. Für Flieger, die diesen Platz und den Luftraum dort nur aus der heutigen Zeit kennen, sicher kaum vorstellbar. Jetzt zu dem Ereignis. Die Landebahn in der Richtung „27“ des dortigen Flugplatzes beginnt im rechten Winkel zur Bahnstrecke Langen- Darmstadt fast unmittelbar hinter den Gleisen. Die elektrische Fahrleitung der Bahnstrecke war zu diesem Zeitpunkt neu und glücklicher Weise noch ohne Strom. Eine Ka 3 befand sich im Queranflug zur 27, also parallel zur Bahnstrecke. Offensichtlich hatte der Pilot die Gleitfähigkeit seiner Ka 3 überschätzt oder aber die erst vor kurzem errichtete Fahrleitung war ihm nicht mehr bewusst. Jedenfalls bemerkte er wohl, dass er die 90 Grad Kurve in den Endanflug nicht mehr schaffen würde und so setzt er sie geistesgegenwärtig sanft und gezielt auf die Drähte der Fahrleitung. Im Grunde eine fliegerische Meisterleistung. Hätte er im letzten Moment noch versucht mit der offensichtlich bereits viel zu tiefen Maschine die Kurve in den Endanflug einzuleiten, wäre der Ausgang sicher verhängnisvoller gewesen. Ich war bei dem Vorfall damals Augenzeuge. Es war wirklich nichts Ernsthaftes passiert. Der Pilot, soweit ich mich erinnere, ein Fluganfänger, wurde erst mal von der örtlichen Feuerwehr geborgen. Die weitere Bergung des Flugzeugs nahm dann aber wohl so viel Zeit in Anspruch, dass die DB doch zumindest einen Zug, wie zu sehen ist, vorsichtig passieren ließ. Zum Schluss hier noch eine technische Info, damit wird der Vorgang vielleicht noch etwas besser vorstellbar. Das Flugzeug, das auch wieder instand gesetzt wurde, ist eine „Alexander Schleicher, Ka 3“ aus der damaligen Zeit. Sie hat ein Gewicht mit Pilot von ca. 190 kg und die Aufsetzgeschwindigkeit beträgt ca. 60 km/h. Es ist faszinierend zu sehen, dass es dem Pilot gelang, den Flieger genau mittig auf die Drähte zu setzen und auch genau zwischen 2 folgende Mastpaare. Wenn er ein Mastpaar erwischt hätte, wären bestimmt die Flügel weggebrochen. Oder er hat einfach nur „saumäßig“ Glück gehabt.


Die Veröffentlichung der beiden Bilder von Karl Gnewikow erfolgt mit der freundlichen Genehmigung seines Sohnes Peter Max Gnewikow.

 

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