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Eisenbahnmuseum

Einführung

An der Königsallee 47 im Bochumer Ehrenfeld befindet sich gegenüber der evangelischen Melanchthonkirche eines der wenigen Gebäude aus der Zeit der Erbauung des Viertels, die den Bombenkrieg und die nachfolgende Zerstörungsorgie beim Wiederaufbau überlebt haben.

Mit diesem Gebäude hat es in zweierlei Hinsicht eine besondere Bewandtnis, die beide mit der Eisenbahn zu tun hatten.

Zum einen befand sich hier bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts das Eisenbahn-Betriebsamt Bochum. Von hier aus die einzelnen Dienststellen der Eisenbahn im Raum Bochum koordiniert und geleitet.

Zum anderen war das Gebäude am 15.Januar 1923 der Schauplatz eines dramatischen Zwischenfalles. Im Rahmen der Ruhrbesetzung durch französisch-belgische Truppen zum Zwecke des Eintreibens ausstehender Kriegsreparationen wurde auch dieses Amt von französischen Soldaten besetzt. Darauf hin sammelte sich auf der Königsallee eine große protestierende Volksmenge, die Soldaten fühlten sich bedroht und schossen in die Menge. Zwei Schwerverletzte und ein Toter, der 15-jährige Schlosserlehrling Josef Birwe, waren die Bilanz des Tages.

Der unglückliche Josef Birwe war das erste Opfer einer langen Reihe, welche die Ruhrbesetzung bei Bevölkerung forderte. Der Zwischenfall hatte ein Echo bis nach Berlin in den Reichstag, wo der Tote durch eine Ansprache des Reichstagspräsidenten Löbbe geehrt wurde. Die Beerdigung am 19. Januar 1923 geriet zu einer politischen Demonstration; im Trauerzug befand sich die gesamte Bochumer Stadtführung mit Oberbürgermeister, Stadtdirektor und allen Vertretern des Stadtrates.

Digitalisate

Das Gebäude Königsallee 47 wurde im typischen Stil des frühen 20. Jahrhunderts errichtet. Trotz sparsamer Verwendung von Bauschmuck wirkt es auf den Betrachter repräsentativ. Ein genauer Vergleich zwischen dem aktuellen Foto und den historischen Zeichnungen zeigt kleinere Unterschiede in der Fassadengestaltung, am auffälligsten ist das Fehlen des linken Seiteneinganges, der vermutlich in späterer Zeit verschlossen und in ein normales Fenster umgewandelt wurde.

Kabelmarke

Im Zusammenhang mit dem Fund der Digitalisate im Landesarchiv NRW trat ein alter Fund im Straßenraum in den Fokus. Etwa 200 Meter entfernt am Romanusplatz befand sich eine gusseiserne Kabelmarke mit Flügelrad und Krone. Es war bis dahin nicht bekannt, wie ein solch eisenbahntypischer Gegenstand fernab jeder Eisenbahnstrecke in das Bochumer Pflaster geraten konnte. Es wird sich bei dem markierten Kabel um eine Fernmeldeleitung gehandelt haben, über die die Mitarbeiter des Eisenbahn-Betriebsamtes mit den Außenstellen kommunizieren konnten. Leider ist die Kabelmarke kurze Zeit nach der fotografischen Dokumentation nach Erdarbeiten verschwunden, jedoch wird vom Stadtarchiv Bochum nach ihrem Verbleib geforscht.

Die Karte zeigt Standort des Eisenbahn-Betriebsamtes und den Fundort der Kabelmarke.

Literatur

  • Paul Küppers, Bochum unter fremder Gewalt in den Jahren der Ruhrbesetzung 1923-1925, Bochum 1930, Buchdruckerei Wilh. Stumpf Bochum

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