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Bahnhof Lette

Eisenbahnmuseum

Lokrad nach 73 Jahren endlich wieder auf der Schiene

Aus Bombenkrater geborgen – im Museumsgarten Lette neu aufgestellt

Fundort im Kartenwerk OpenTopoMap

Bei Kanalisierungsarbeiten im neu erschlossenen Gewerbegebiet Coesfelds kam vor Jahren völlig unerwartet ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg wieder ans Licht. Ca. 150 Meter entfernt vom Vorsignal zur Einfahrt in den Bahnhof Coesfeld (damalige Strecke Dortmund-Lette-Coesfeld) wurde vom Coesfelder Lokführer Achim Raack ein großes Rad erspäht. Am 7. Januar 1992 wurde das Dampflok-Treibrad aus einem Bombenkrater geborgen. Das Eisenrad wurde freigelegt und vermessen. Genauere Nachforschungen von Pater Daniel bestätigten die Vermutung, daß es sich um ein Dampflokkuppelrad handelt, bei dem sogar die rote Lackierung z.T. noch erhalten war.


Es handelt sich um das Rad einer preußischen G 10, später Baureihe 57.10-40 genannt, einer fünfachsigen Zweizylinder-Güterzuglok. Die 14 Speichen und der Durchmesser von 1,40 Meter lassen darauf schließen. Loks dieses Typs waren in den 1940er Jahren auch in Coesfeld beheimatet. Die Lok brachte 76,6 Tonnen auf die Waage, sie war 18,91 Meter lang, hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und eine Leistung von 1100 PSi. Die ersten Maschinen dieser Bauart entstanden 1910, es wurden bis etwa 1931 fast 3.000 Stück gebaut, von denen Exemplare in viele verschiedene Länder gelangten.

Alteisenbahner unter Leitung von Karl-Heinz Renners (re.) setzten mit Hilfe eines Flaschenzuges das Lokomotivrad wieder auf die Schienen.

Das schwere Rad ist zu 3/4 erhalten, der Rest wurde durch eine Explosion oder durch Beschuß abgesprengt. Eine ungeheure Macht muß das massive Eisen angegriffen haben, so daß das Rad von der Achse getrennt und ein Viertel des Radkörpers abgeschlagen wurde. Wahrscheinlich wurde das Lokomotivrad als unbrauchbar einfach liegengelassen und zum Verfüllen von Bombenkratern benutzt. Mithilfe des Bauhofs der Stadt Coesfeld wurde das Lokrad gesichert und nach Lette transportiert. Die Eisenbahnfreunde hofften, nach dem Reinigen und Abschleifen des Rades eingeschlagene Nummern zu finden, die auf die Identität der Lokomotive schließen lassen, mit der es einst über die Schienen rollte. Leider vergeblich. Alte Dokumente geben jedoch Hinweise: Am 15.05.1944 besaß das Bahnbetriebswerk Coesfeld eine von 17 preußischen Loks des Typs G10 der Reichsbahndirektion Münster. Lok 57 1427 wurde bei Borsig in Berlin 1914 unter Fabriknummer 9054 gebaut und als preußische G10 „Oppeln 5467“ bezeichnet. Diese Lok fand sich in Coesfeld bis zum 26.12.1948 abgestellt, ehe sie zur L3-Untersuchung und Reparatur eines offensichtlich großen Schadens zum Eisenbahnausbesserungswerk Bremen verbracht wurde. Ab 05.02.1949 stand sie beim Bw Emden wieder im Dienst. Mitte der 1950er Jahre dürfte sie ihren Dienst quittiert haben und verschrottet worden sein. Das einzige, was von ihr blieb, ist das Radteil im Museumsgarten am Bahnhof Lette. Pater Daniel hatte das Rad entrostet und neu gestrichen. Nach 73 Jahren verhalfen nun Eisenbahnerpensionäre dem Rad erstmals wieder auf die Schiene. Sie nutzten einen Flaschenzug, um das schwere Teil zu heben, es auf dem verbliebenen Radreifenstück an die Schiene zu schweißen und zusätzlich eine Verstrebung anzubringen, damit es aufrecht sicher stehenbleibt.

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